Built-in

Material, Raum und Nutzung: ein konstruiertes Gleichgewicht

Built-in entsteht als Reflexion über das Verhältnis von Naturstein, Entwurf und Nutzung und erforscht die Grenze zwischen Objekt und Architektur. Kein einfacher Tisch, sondern ein System, das den Raum als Einheit besetzt, in dem Struktur, Sitzflächen und Tischplatte zu einer kohärenten Präsenz verschmelzen. In diesem Gleichgewicht zwischen formaler Forschung und konstruktiver Logik ist Naturstein nicht Verkleidung, sondern das tragende Element des Projekts.

Credits: Matteo Bianchessi

Die expressive Kraft des Nagelfluh

Der Nagelfluh ist ein deutsches Konglomerat mit starker materiallicher Identität, ein exklusiver Naturstein, frostbeständig und auch für den Einsatz im Außenbereich unter extremen klimatischen Bedingungen geeignet. Seine authentische, rohe Ästhetik entsteht aus einer unregelmäßigen Zusammensetzung natürlich zementierter Gesteinsfragmente, die stets unterschiedliche und ausdrucksstarke Oberflächen hervorbringt.

Dieses Material vereint technische Langlebigkeit mit ästhetischem Wert und eignet sich ideal für Projekte, in denen Stein eine strukturelle und identitätsstiftende Rolle übernimmt. Ein Stein mit ausgeprägtem Charakter, der mit dem Projekt in Dialog tritt, ohne gezähmt zu werden, sondern in seiner ehrlichsten Natur zur Geltung kommt.

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Konstruktive Logik als Entwurfssprache

Built-in, ein Projekt von Davide Biancucci (2025), kehrt das traditionelle Möbelkonzept um: Der Tisch integriert die Stühle, und die Stühle integrieren den Tisch. Nicht mehr getrennte Elemente, die miteinander in Beziehung gesetzt werden, sondern komplementäre Teile einer einzigen Einheit.
Jedes Modul entsteht aus einer Steinplatte, die mittels Wasserstrahltechnologie bearbeitet wird. Daraus wird ein selbsttragender Rahmen gewonnen, der zwei unabhängige Sitzplätze integriert. Das System ist modular erweiterbar: Aneinandergefügte Module tragen die Tischplatte kontinuierlich. Die endgültige Geometrie wird nicht vorgegeben, sondern ergibt sich direkt aus der konstruktiven Logik und den Abmessungen der Platte.

Das Projekt betrachtet Stein als wertvolle und begrenzte Ressource und optimiert die Oberflächen unter gleichzeitiger Reduktion von Verschnitt. Die Textur des Konglomerats darf unverfälscht sichtbar bleiben: Es ist der natürliche Rhythmus der Platten, der die Identität des Objekts bestimmt – nicht ein überlagertes grafisches Muster.

Vom Block zum System

Aus technischer Sicht verbindet Built-in präzise Bearbeitung mit fortschrittlichen konstruktiven Lösungen. Der Wasserstrahlschnitt ermöglicht klare, konsistente Elemente und respektiert zugleich die Komplexität des Materials. Die Tischplatte wird durch ein Honeycomb-Panel verstärkt, das die Stabilität erhöht und gleichzeitig das Gesamtgewicht reduziert, ohne das Erscheinungsbild des Steins zu verändern.

Das gesamte Projekt ist darauf ausgelegt, die vollständige Platte optimal zu nutzen und eine produktive Einschränkung in ein gestalterisches Prinzip zu verwandeln. Auch die Montage folgt dieser Logik: Jedes Bauteil ist Teil eines klaren, nachvollziehbaren und reproduzierbaren Systems.

Der Wert des Steins im zeitgenössischen Projekt

Built-in ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit, in der gestalterische Forschung, Materialkompetenz und eine gemeinsame Vision ein ausgewogenes Ganzes bilden. Naturstein wird dabei zum Träger von Wert – nicht nur aufgrund seiner technischen Eigenschaften, sondern auch durch seine Fähigkeit, Identität, Wiedererkennbarkeit und Positionierung zu schaffen.

Die Materialwahl in Verbindung mit einem Entwurf, der Struktur und Ausdruckskraft des Steins hervorhebt, zeigt, wie der Wert eines Objekts aus dem Zusammenspiel von Material, Gestaltung und einer bewussten Wertschöpfungskette entsteht.

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